Große Dithmarscher

Ein Entdecker als Landschreiber:
Carsten Niebuhr

Carsten Niebuhr wurde 1733 in Lüdingworth im Land Hadeln als Sohn eines Bauern geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters arbeitete er als Knecht seines Onkels. Noch als 22jähriger besuchte er das Gymnasium in Hamburg, um dann ab 1757 Mathematik und Astronomie in Göttingen zu studieren; sein Berufsziel war die Landvermessung. Schon 1758 wurde er für die dänische Südarabienexpedition als Landmesser ausgewählt; im Rang eines Ingenieur-Leutnants trat er im Januar 1761 auf einem Kriegsschiff die Reise an.
Von 1761 bis 1762 hielt sich die Expedition in Ägypten auf. Niebuhr zeichnete Karten vom Nildelta und einen Stadtplan von Kairo, außerdem vermaß er die beiden großen Pyramiden. Mit Zwischenaufenthalten erreichten die Reisenden den Jemen, wo Niebuhr ebenfalls Karten zeichnete, die für viele Jahrzehnte unübertroffen blieben. Nachdem hier schon einige Expeditionsteilnehmer von Krankheiten dahingerafft worden waren, starben während der Weiterreise nach Bombay alle übrigen - außer Niebuhr. Von Herbst 1763 bis Dezember 1764 hielt sich Niebuhr in Bombay auf, von wo er allein die Rückreise antrat.

Besteckköcker
Carsten Niebuhr und seine Ehefrau

Besteckköcker
 Heinrich Christian Boie, umrahmt von den Grafen Stolberg.

Sie führte ihn über Persepolis, wo er Keilschriften kopierte und die Grundlagen für deren Entzifferung legte, Bagdad, wo er einen Stadtplan anfertigte, Babylon, das er als erster Europäer besuchte, Jerusalem, Damaskus, Konstantinopel, Rumänien und Polen zurück nach Kopenhagen. Dort traf er im November 1767 ein. Anschließend verfasste er seine "Beschreibung von Arabien" (1772) und die beiden Bände der "Reisebeschreibung nach Arabien" (1774/ 1778).
Trotz seines großen wissenschaftlichen Ruhmes ging Niebuhr 1778 als Justizrat und Landschreiber nach Meldorf, wo er sich weitere Verdienste und die Freundschaft Heinrich Christian Boies erwarb. Er starb erblindet in Meldorf 1815. Seine Grabplatte ist dort im Dom zu sehen.

Ein Literat als Landvogt: Heinrich Christian Boie

Heinrich Christian Boie wurde 1744 in Meldorf als Sohn eines Pastors  geboren. Er studierte von 1764 bis 1767 Theologie und dann Jura in Jena, wo er sich bereits dem Hauptinhalt seines Lebens widmete: Bekanntschaften mit literarischen Größen zu schließen und zu pflegen.
Die Jahre von 1769 bis 1776 verbrachte Boie in Göttingen; er lebte dort als Hofmeister vorwiegend englischer Studenten und scharte einen Kreis junger Dichter um sich, den späteren Göttinger "Hainbund", dem sich auch Boies zukünftiger Schwager anschloss: Johann Heinrich Voß, der Dichter des ländlichen Idylls "Luise".
Von 1770 bis 1773 gab Boie den ersten deutschen "Musenalmanach" heraus; von 1776 bis 1791 dann die Zeitschrift "Deutsches Museum", eines der wichtigsten Blätter seiner Zeit. Diese Zeitschrift enthielt viele literarische Beiträge, u. a. von Goethe, Herder, Klopstock, Voß und Schlegel - daneben aber auch Beiträge aus anderen Wissensgebieten bis zu politischen Aufsätzen.
1779 gab Boie eine Gedichtsammlung der Brüder Christian und Friedrich Leopold Graf Stolberg heraus, die ihm 1781 eine Stelle im dänischen Staatsdienst, als Landvogt von Süderdithmarschen in Meldorf, verschafften. Hier erwies er sich als aufgeklärter Verwaltungsbeamter, der sich weiterhin der Literatur, der Freundschaft mit Niebuhr und seinem überaus berühmten Garten widmete.
Boie starb 1806. Sein Grab ist nicht erhalten.

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